Ermutigung lernen: Mein Weg zur Encouraging Trainerin
Zehn Einheiten mit jeweils etwa zwei Stunden ermutigendem Inhalt, voller positiver Gedanken, vertiefender Übungen und einer Gemeinschaft von interessierten Menschen. Das wollte ich kennenlernen – und weitergeben.
Der Gedanke, eine Ausbildung zur Encouraging Trainerin zu machen, war geboren. Und ich hatte sogar eine Freundin aus meiner Beraterausbildung, die ebenfalls Encouraging Trainerin werden wollte. Perfekt!
Also ging die Recherche los. In Deutschland bot damals das ADI (Adler-Dreikurs-Institut) die Ausbildung in Bad Gandersheim im Harz an. Theo Schoenaker, der Begründer des Encouraging Trainings, hatte sich bereits zurückgezogen und die Ausbildung an Regula Hagenhoff weitergegeben.
Etwas mehr als zwei Jahre Ausbildung lagen vor mir: mehrere Ausbildungswochenenden, Intensivseminare unter der Woche und viele Reflexionsaufgaben.
Zu dieser Zeit, im Jahr 2009, boomten die Ausbildungsgruppen. Wir waren mehr als zehn Teilnehmende in unserer Gruppe und es gab mehrere Ausbildungsgruppen pro Jahr.
Der wichtigste Teil der Ausbildung bestand – und besteht bis heute – darin, eigene Übungsgruppen zu leiten.
Das bedeutete: Wir kamen zum Ausbildungswochenende, erhielten die Inhalte der ersten Einheiten häppchenweise vermittelt und bekamen das notwendige Hintergrundwissen an die Hand.
Dann ging es zurück nach Hause.
Ich fand schnell interessierte Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln wollten.
Im Encouraging Training geht es darum, den Fokus auf das Positive zu lenken und sich selbst besser kennenzulernen. Warum mag ich bestimmte Menschen nicht? Welche Muster bringe ich in Beziehungen mit? Und wie kann ich Beziehungen gestalten, die von mehr Verständnis und Zugehörigkeit geprägt sind?
Wie wichtig Beziehungsgestaltung für ein glückliches Leben ist, war mir damals nur halb bewusst. Heute weiß ich: Unsere Beziehungen beeinflussen fast alle Bereiche unseres Lebens.
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Übungsgruppe. Die Erzieherin aus dem Kindergarten meiner Kinder, eine Freundin und ein Freund aus meinem Bekanntenkreis.
Mit großer Aufregung gab ich meine erste Einheit. Mein Vater hatte mir ein Flipchart geschenkt, auf dem ich die Inhalte in Stichworten notierte, damit ich auch ja nichts vergessen würde.

In jeder Einheit entstanden neue Fragen. Obwohl ich die Inhalte vermittelt bekommen hatte, bemerkte ich erst im Tun, was ich noch nicht vollständig verstanden hatte.
Manchmal waren Teilnehmende skeptisch, weil dieser Ansatz der Persönlichkeitsentwicklung für viele völlig neu war. Sich mit der eigenen Haltung, den eigenen Reaktionen und dem eigenen Beitrag in Beziehungen zu beschäftigen, war ungewohnt.
Auch ich selbst war durch viele Fragen verunsichert.
Umso wichtiger war es, dass mir eine bereits ausgebildete Encouraging Trainerin zur Seite stand. Ihr schickte ich meine Reflexionsberichte und konnte Fragen stellen. Von ihr bekam ich hilfreiche Anregungen, ermutigende Worte und die Sicherheit, dass Entwicklung Zeit braucht.
Am nächsten Ausbildungswochenende wurden unsere Erfahrungen gemeinsam reflektiert, besprochen und vertieft.
Wir übten in unserem Alltag sogenannte ermutigende Qualitäten – Verhaltensweisen, die Zugehörigkeit fördern und Beziehungen stärken.
Ob in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf oder in einer Führungsrolle: Menschen möchten sich gesehen, ernst genommen und zugehörig fühlen.
Genau hier setzen die ermutigenden Qualitäten an.
Es ging darum, soziale Kompetenzen nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern im Alltag zu leben. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus eine positive innere Haltung, die auch für andere spürbar wurde.
Und das ganz praktisch.
Ich übte jeweils zehn Tage lang mit einer Qualität im Fokus:
- aktives Zuhören
- den freundlichen Blick
- die freundliche Stimme
- Geduld
- Versuche und Fortschritte anerkennen
- das Gute erkennen
- Körpernähe herstellen
- selbstverantwortliches Handeln fördern
- Begeisterung zeigen
- Interesse zeigen
Im zweiten Ausbildungsjahr kamen die Führungsqualitäten hinzu. Denn eine Gruppe zu leiten bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen und Führung zu gestalten.
Ich übte:
- freundlich und fest die Richtung zu bestimmen
- den eigenen Anteil in Konflikten zu erkennen
- Beziehung herzustellen und zu halten
- mich selbst darzustellen
Über all diese Erfahrungen schrieb ich Berichte. Immer wieder war ich erstaunt, welche Aha-Momente diese praktischen Übungen in meinem Leben auslösten.
Mein Mann und unsere beiden Kinder – damals vier und sechs Jahre alt – waren mittendrin in meinem Lernprozess. Heute sehe ich noch deutlicher, wie wertvoll diese Grundlage für unser Familienleben war.
Nach gut zwei Jahren hielt ich mein Zertifikat als Encouraging Trainerin in den Händen.
Doch rückblickend war das nicht das Ende meiner Ausbildung – sondern der Anfang.
Die vielen Übungsgruppen, die Reflexionsberichte und die praktischen Erfahrungen hatten etwas in mir verändert. Ich hatte nicht nur Methoden gelernt. Ich hatte begonnen, eine positive innere Haltung einzuüben.
Eine Haltung, die meinen Blick auf andere Menschen veränderte. Aber auch den Blick auf mich selbst.
Natürlich war ich noch nicht frei von Selbstzweifeln. Vor einem Vortrag war ich aufgeregt. Vor einer neuen Gruppe manchmal unsicher. Doch ich hatte etwas gewonnen, das mich trug: Vertrauen in den Prozess und die Erfahrung, dass Entwicklung nicht durch Perfektion entsteht, sondern durch Ermutigung.
Meine ersten Trainings, Workshops und Vorträge folgten. Mit jedem Mal wuchs meine Sicherheit. Und immer wieder erlebte ich, wie Menschen aufblühten, wenn sie sich selbst und andere mit einem ermutigenden Blick betrachteten.
Damals hätte ich nie gedacht, dass ich Theo Schoenaker, den Begründer des Encouraging Trainings, eines Tages persönlich kennenlernen würde – und dass aus der Teilnehmerin viele Jahre später selbst eine Ausbilderin werden würde.
Doch genau davon erzähle ich im nächsten Teil meiner Geschichte.
