Von der Gärtnermeisterin zur „Ermutigerin“
Ich bin in den siebziger Jahren groß geworden, und nach der Schule eine Lehrstelle zu finden, war eine echte Herausforderung.
Ich gebe zu, ich bin den einfachen Weg gegangen. Meine Mutter hatte eine kleine Gärtnerei, und die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Es lag also nahe, in ihre Fußstapfen zu treten.
Gleich zwei Zusagen hatte ich für die Lehrstelle zur Gärtnerin – schon allein, weil ich aus einer Gärtnerfamilie kam.
Der Weg war fast vorgezeichnet: Ausbildung, drei Jahre in unterschiedlichen Gärtnereien und anschließend die Meisterschule.
Da stand ich nun mit vierundzwanzig Jahren, den Meisterbrief in der Tasche, und hatte eine Stelle mit Baustellenleitung im Garten- und Landschaftsbau.
Ich habe immer gerne in der Natur gearbeitet. Das macht mir heute noch, im eigenen Garten, große Freude.
Trotzdem … irgendetwas fehlte.
Mittlerweile weiß ich, was es war: die Menschen. Im Team unterwegs zu sein, war für mich immer doppelter Spaß – die Arbeit gefiel mir, und der Kundenkontakt war mir ebenfalls wichtig.
Mit dreißig Jahren und nach einer größeren Operation bewarb ich mich in einem Gartencenter auf einen Leitungsposten – und wurde genommen.
Ich wollte weg von der körperlich schweren Arbeit, und dort spielt der Faktor Mensch eine größere Rolle.
Dass mir das schon nach kurzer Zeit zum Verhängnis werden würde, hätte ich damals nicht gedacht.
In der Gartencenter-Abteilung hatte es vor mir einen regen Wechsel im Führungsbereich gegeben. Eine Angestellte hätte meinen Posten gerne übernommen, wurde von der Leitung jedoch als nicht geeignet angesehen.
Die Stimmung war schlecht, ich war eingespannt in meinem neuen Aufgabenbereich und mit diesem Team völlig überfordert.
Konflikte waren vorprogrammiert. Es brodelte, und ich mittendrin – zwischen den Streitereien unter den Kollegen und der Umstellung von D-Mark auf Euro.
Mein Selbstwert sank in kürzester Zeit auf den Nullpunkt, und nachts hielt mich mein Gedankenkarussell wach.
Es dauerte nicht lange, und ich schmiss den Job. Mein alter Chef nahm mich mit „Kusshand“ wieder.
Da saß ich nun: gescheitert als Führungskraft, weil ich es nicht geschafft hatte, die Kommunikation im Team zu verbessern.
Das nagte lange an mir und meinem beruflichen Selbstwert.
Sechs Jahre später – mittlerweile mit einem tollen Mann und zwei Kindern an meiner Seite – brachte mich der Zufall (falls es so etwas gibt 😉) zur „Ermutigung“.
Bei einem Vortrag der Landfrauen mit dem Titel „Mut tut gut“ lernte ich das gleichnamige Buch von Theo Schoenaker kennen, und für mich begann ein vollkommen neues Kapitel – mit jeder Menge Aha-Momenten zur Beziehungsgestaltung im Beruf (und privat).
Aber dazu mehr im nächsten Blogartikel 😃
