Wie sich mein Weg weiterentwickelte – und Ermutigung mein roter Faden blieb
Meine Geschichte – Teil 5
Dies ist Teil 5 meiner Geschichte. Wenn du erfahren möchtest, wie alles begann, findest du hier Teil 1.
Im letzten Artikel habe ich erzählt, wie ich Theo Schoenaker persönlich kennenlernte und wie die Gemeinschaft der Encouraging Trainer*innen zu einem festen Bestandteil meines Lebens wurde.
Seit meiner Ausbildung zur Encouraging Trainerin im Jahr 2011 ist viel passiert. In fünfzehn Jahren macht man schließlich so einiges. 😉 Ich habe weitere Ausbildungen gemacht, neue Arbeitsfelder entdeckt, mit ganz unterschiedlichen Menschen gearbeitet und an vielen Projekten mitgewirkt.
Und trotzdem blieb etwas immer gleich: Ermutigung war mein roter Faden.
Heute nehme ich dich ein Stück mit auf diesen Weg und zeige dir, welche Möglichkeiten sich aus der Ausbildung für mich entwickelt haben – beruflich und persönlich.
Von der Ermutigung mit Erwachsenen zur Arbeit mit Kindern
Meine Kinder waren damals noch in der Grundschule. Deshalb lag es für mich nahe ein Teilmodul, die Ausbildung zur Encouraging Trainerin für Kinder zu machen.
Das führte mich schließlich an Schulen.
Ganztagsschulen schossen damals wie Pilze aus dem Boden und suchten Menschen, die Nachmittagsangebote gestalten konnten. So entstand das Programm „Wecke den Tiger in dir“.
Den ersten Kurs über ein halbes Jahr bot ich gemeinsam mit einer Kollegin an, die selbst als pädagogische Mitarbeiterin tätig war. Diese Kombination war perfekt: Mit einer ermutigenden Haltung auf Kinder zuzugehen, war eine Sache. Eineinhalb Stunden lang ganz unterschiedliche Charaktere durch ein gemeinsames Programm zu führen, war noch einmal eine andere Herausforderung.
Meine Kollegin brachte viel Erfahrung in der Arbeit mit Schulklassen mit, ich meine Kenntnisse über Ermutigung und jede Menge praktische Übungen.
Ich bot das gleiche Programm anschließend über mehrere Jahre auch an der Schule meines Sohnes an.
Und ich muss wahrscheinlich nicht extra erwähnen, wie sehr sich das, was ich dort über ermutigende Beziehungen mit Kindern gelernt und ausprobiert habe, auch auf unser eigenes Familienleben ausgewirkt hat.
Der Familienrat – Ermutigung mitten im Familienalltag
Ein weiterer wichtiger Baustein für unsere Familie war der Familienrat nach Rudolf Dreikurs.
Wir haben ihn über zehn Jahre regelmäßig mit unseren Kindern praktiziert. Für uns war er eine große Bereicherung und eine ganz praktische Möglichkeit, die Ideen der Individualpsychologie und eine ermutigende Erziehung im Familienalltag zu leben.
Was mir daran besonders gefällt: Kinder erleben, dass ihre Meinung zählt, dass sie Verantwortung übernehmen können und dass Probleme gemeinsam gelöst werden können. Genau darin steckt viel von dem, was wir auch im Encouraging Training üben: Zugehörigkeit, Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit.
Die Ausbildung zur Familienrat-Trainerin habe ich selbst nicht gemacht, aber ich habe sie kennengelernt und den Familienrat über viele Jahre selbst praktiziert. Heute arbeite ich eng mit dem Verein für praktizierende Individualpsychologie (VpIP) zusammen, der diese Ausbildung anbietet. Für viele Familienrat-Trainerinnen ist die Ausbildung zur Encouraging Trainer*in später ein nächster Schritt, weil sich die Inhalte wunderbar ergänzen.
Ein Bild, das meine Tochter nach zehn Jahren Familienrat dazu gezeichnet hat, hängt bis heute bei mir. Es bringt für mich auf eine ganz eigene Weise auf den Punkt, was diese gemeinsame Zeit bedeutet hat.

Ermutigung in Unternehmen
Gleichzeitig liebte ich die Arbeit mit Erwachsenen und wollte das Wissen aus dem Encouraging Training auch in Unternehmen bringen.
Mich faszinierte zunehmend die Frage, was passiert, wenn Menschen sich an ihrem Arbeitsplatz zugehörig fühlen. Denn Zugehörigkeit ist nicht nur für Familien, Schulen oder Freundschaften wichtig. Auch im beruflichen Umfeld beeinflusst sie, wie Menschen miteinander arbeiten, Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten einbringen.
Dafür gab es innerhalb des Schoenaker-Konzepts das Modul „Arbeit und Beruf“.
Mein erster Auftrag in diesem Bereich führte mich an die Hochschule Bremerhaven. Im Rahmen des Studium Generale gestaltete ich ein Wochenendseminar mit dem Titel „Vom Lebensverwalter zum Lebensgestalter“.
Gerade für angehende Führungskräfte fand ich dieses Thema spannend. Denn Selbstverantwortung, eine positive innere Haltung und die Fähigkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten, sind nicht nur für die persönliche Entwicklung wichtig. Sie prägen auch die Art, wie wir später Verantwortung für andere übernehmen.
Meine schönsten Aufträge in diesem Bereich sind bis heute die, bei denen Unternehmen irgendwann merken: Ein einzelner Workshop reicht eigentlich nicht.
Wenn eine ermutigende Haltung wirklich Teil der Unternehmenskultur werden soll, braucht es mehr. Dann kann das Encouraging Training für Unternehmen ein sinnvoller Weg sein, diese Haltung Schritt für Schritt zu erlernen und praktisch umzusetzen.
Zwischen zwei Profis meinen eigenen Platz finden
Ein ganz anderer Entwicklungsschritt ergab sich durch meine ehemalige Lehrtrainerin aus der Coach-Ausbildung.
Sie gab mir die Möglichkeit, gemeinsam mit ihr und der Journalistin und Moderatorin Anke Breitlauch eine völlig neue Ausbildung zu entwickeln. Inspiriert von Inhalten aus der Gewaltfreien Kommunikation, der Individualpsychologie und der Embodimentfokussierten Psychologie entstand das Training „FREI REDEN, FRIEDVOLL LEBEN“, kurz FFL.

Für mich war das eine sehr prägende Zeit.
Hilde Alegria Schillert und Anke Breitlauch waren sehr erfahrene Trainerinnen. Anke ist leider mittlerweile verstorben. Ich dagegen war damals noch eine relativ junge Trainerin und musste meinen Platz zwischen zwei starken Persönlichkeiten finden.
Das war nicht immer einfach.
Ich musste lernen, mich zu behaupten, meine Ideen einzubringen und mir nicht das Ruder aus der Hand nehmen zu lassen.
Das Schöne war: Wir haben genau das gemeinsam thematisiert. Wir konnten offen darüber sprechen, was gerade passierte, und eine gute Lösung finden.
Für mich war das eine wichtige Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Ich durfte erleben, dass ich auch neben sehr erfahrenen Menschen meinen eigenen Platz einnehmen kann, ohne mich größer machen zu müssen, als ich bin.
Und auch das ist für mich Ermutigung.
Ein kleiner Seitensprung: Geld, Glaubenssätze und EFT
2018 machte ich einen kleinen beruflichen Seitensprung.
Meine Schwester, die in den USA lebt, hatte sich dort zum „Tapping into Wealth“-Coach nach Margaret Lynch ausbilden lassen und brauchte eine Probandin.
Also ließ ich mich auf das Abenteuer ein.
Dabei ging es darum, eigenen Geld-Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen und mit EFT, der Emotional Freedom Technique, daran zu arbeiten.
Ich entdeckte dabei etwas, das mich als Unternehmerin sehr beschäftigte: Auch ich hatte die Tendenz, mich unter Wert zu verkaufen.
Die Erkenntnis half mir, mich unternehmerisch besser aufzustellen und manche meiner eigenen Glaubenssätze genauer anzuschauen.
Für eine Zeit habe ich dazu sogar Workshops angeboten. Und bis heute werde ich immer mal wieder danach gefragt.
Interessant finde ich rückblickend, wie viele dieser Themen sich mit dem Encouraging Training verbinden lassen: Selbstwirksamkeit, eigene Überzeugungen hinterfragen, Verantwortung übernehmen und sich selbst nicht kleiner machen, als man ist.
Encouraging meets Impro
Eine meiner jüngeren und bis heute aktiven Kooperationen entstand durch meinen Impro-Theater-Trainer Martin Kemner.
Martin hatte selbst zweimal an meinem Encouraging Training teilgenommen und war so begeistert von den Inhalten, dass daraus irgendwann eine gemeinsame Idee entstand:
„Encouraging meets Impro“.
Dabei verbinden wir die ermutigende Haltung mit den Möglichkeiten des Improvisationstheaters.
Das Ergebnis ist ein Workshop, in dem es nicht darum geht, besonders schlagfertig oder lustig sein zu müssen. Vielmehr geht es darum, sich auszuprobieren, spontan zu reagieren, Fehler auszuhalten und sich gegenseitig Raum zu geben.
Eigentlich ziemlich viel Ermutigung in einem einzigen Workshop.
Und weil mir Improvisation selbst unglaublich viel über Mut, Flexibilität und eine gewisse Gelassenheit beigebracht hat, ist diese Kooperation für mich bis heute etwas Besonderes.

Mein roter Faden
Wenn ich heute auf diese fünfzehn Jahre zurückblicke, sieht mein Weg auf den ersten Blick ziemlich bunt aus.
Kinder, Familien, Schulen, Unternehmen, Coaching, Kommunikation, Improvisation, Glaubenssätze und viele unterschiedliche Menschen.
Aber darunter liegt ein klarer roter Faden.
Das Encouraging Training.
Die Individualpsychologie von Alfred Adler, die Theo Schoenaker so praktisch in das Encouraging Training übersetzt hat, hat mich nie losgelassen.
Immer wieder ging es um ähnliche Fragen:
Wie können Menschen sich selbst besser verstehen?
Wie können sie ihre eigenen Möglichkeiten entdecken?
Wie können Beziehungen gelingen?
Was brauchen Menschen, um sich zugehörig zu fühlen und Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen?
Und wie können wir eine Haltung entwickeln, die nicht nur im Kopf bleibt, sondern im Alltag sichtbar wird?
Je mehr ich selbst gelernt und ausprobiert habe, desto klarer wurde mir, wie viel in diesen einfachen Fragen steckt.
Von der Trainerin zur Mentorin
Irgendwann folgte die Ausbildung zur Encouraging Master Trainerin.
Damit veränderte sich meine Rolle noch einmal. Ich übernahm für viele angehende Encouraging Trainer*innen die Aufgabe der Mentorin und begleitete sie auf ihrem Weg.
Dadurch blieb ich auch eng mit Theo und Julitta Schoenaker verbunden.
Und irgendwann fragte ich wieder nach, ob ich selbst ausbilden dürfe.
„Dranbleiben“ war schon immer meine Devise.
Also blieb ich dran.
Seit 2025 halte ich nun meine Lizenz zur Ausbildung von Encouraging Trainer*innen in den Händen. Im selben Jahr habe ich die Ausbildung noch einmal komplett in Präsenz bei Julitta Schoenaker in Erfurt begleitet.
Warum?
Weil ich selbst immer Lernende geblieben bin.
Und vielleicht ist genau das heute eine meiner wichtigsten Voraussetzungen dafür, andere Menschen auszubilden.
Seit Anfang 2026 leite ich nun meine erste eigene Ausbildungsgruppe im Kloster Neuenwalde.

Ich darf das weitergeben, was mich selbst vor vielen Jahren so gepackt hat: die Verbindung von Wissen, praktischer Erfahrung, Selbstreflexion und einer ermutigenden Haltung.
Und damit schließt sich für mich ein Kreis oder vielleicht beginnt gerade ein neuer.
Denn der Start meiner ersten eigenen Ausbildungsgruppe war mehr als turbulent.
Aber davon erzähle ich dir im nächsten Artikel.
