Wie Ermutigung mein Beruf wurde – und ich Theo Schoenaker kennenlernte
Dies ist Teil 4 meiner Geschichte. Wenn du erfahren willst wie alles begann, findest du hier Teil 1
Im letzten Artikel habe ich geschrieben, dass ich damals nie gedacht hätte, Theo Schoenaker, den Begründer des Encouraging Trainings, eines Tages persönlich kennenzulernen. Doch bevor es dazu kam, musste ich erst lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Unsere Kinder waren noch klein und ich wünschte mir einen Beruf, der sich mit unserem Familienleben vereinbaren ließ. Einen Beruf, den ich mit Begeisterung ausüben und gleichzeitig zeitlich flexibel gestalten konnte.
Anfangs arbeitete ich noch in Teilzeit in meinem früheren Beruf. Doch ich merkte schnell: Wer Menschen mit einem neuen Thema erreichen möchte, muss sichtbar werden. Es reichte nicht, gute Inhalte zu haben. Ich musste lernen, über meine Arbeit zu sprechen. Das brauchte Zeit und deswegen wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit.
Ein Schritt, vor dem ich Respekt hatte, aber der sich richtig anfühlte.
Meine ersten Kurse bot ich an der Volkshochschule an. Kurz darauf wurde ein Institut auf mich aufmerksam und fragte mich, ob ich einen Elternabend in einem Kindergarten gestalten würde.
Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war. Ein Training zu leiten war das eine.
Einen Vortrag vor vielen Eltern zu halten, etwas völlig anderes.
Eine Woche lang ging mir der Termin nicht mehr aus dem Kopf. Ich feilte an meiner ersten PowerPoint-Präsentation, suchte passende Beispiele aus unserem Familienalltag und überlegte, wie ich die Inhalte des Encouraging Trainings so vermitteln konnte, dass sie im Alltag der Familien lebendig werden.
Dann war der Abend da und viele erwartungsvolle Augen richteten sich auf mich.
Und plötzlich merkte ich: Ich kann das. Nicht, weil ich keine Angst hatte,
sondern weil ich in der Ausbildung gelernt hatte, Menschen zu begleiten, mit ihnen in Beziehung zu gehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
Von diesem Abend an entwickelte sich meine Arbeit Schritt für Schritt weiter.
Ich hielt Vorträge bei den Landfrauen, in Kirchengemeinden, bei Gesundheitstagen, in Unternehmen, auf Personalversammlungen und bei vielen weiteren Veranstaltungen.

Sichtbar werden
Workshops kamen hinzu und natürlich das zehnteilige Encouraging Training, das bis heute das Herzstück meiner Arbeit ist.
Rückblickend weiß ich, dass mir dabei nicht nur mein Fachwissen geholfen hat.
Mindestens genauso wichtig war eine der ermutigenden Führungsqualitäten, die wir bereits in der Ausbildung geübt hatten: mich selbst darzustellen (mehr darüber kannst du im Teil 3 lesen).
Damals empfand ich diese Übung als herausfordernd.
Heute weiß ich, dass sie eine wichtige Grundlage meiner Selbstständigkeit war.
Denn wenn Menschen nicht wissen, was du tust, können sie auch nicht von deiner Arbeit profitieren.
Ein weiteres Highlight waren die Begegnungen mit anderen Encouraging Trainerinnen in meiner unmittelbaren Nähe.
Gemeinsam gründeten wir das Ermutigungsteam.
Wir besuchten Messen, entwickelten gemeinsame Angebote, unterstützten uns gegenseitig und gestalteten unsere erste Website, die bis heute parallel zu meiner eigenen Website besteht.
Als Social Media langsam an Bedeutung gewann, fragten wir uns, wie wir Menschen auch online für Ermutigung begeistern könnten.
Da wir alle gerne schreiben, entstand eine wunderbare Idee.
Jeden Sonntag veröffentlichte eine von uns einen Blogartikel über Ermutigung, Persönlichkeitsentwicklung oder Beziehungsgestaltung. So entstand nach und nach eine Sammlung von Gedanken und Erfahrungen, die bis heute vielen Menschen Mut macht.
Eine Nachricht mit der ich nie gerechnet hatte
2017 erhielt ich eine Nachricht über den Facebook-Messenger.
Der Absender:
Theo Schoenaker.
Er schrieb, dass er unsere Aktivitäten verfolge und fragte, ob wir uns über Skype austauschen möchten.
Ich musste die Nachricht mehrmals lesen.
Der Mensch, dessen Bücher und Ausbildung meinen Weg so geprägt hatten, wollte mit mir sprechen. Natürlich sagte ich sofort zu.
Was mich an diesem Gespräch bis heute bewegt, ist gar nicht, wer Theo Schoenaker war.
Sondern wie er mir begegnete. Ich traf keinen berühmten Experten.
Ich traf einen Menschen, der sich ehrlich für meine Arbeit interessierte.
Der nachfragte. Der meine Ideen hören wollte.
Der mich fragte, wie ich bestimmte Situationen lösen würde.
Obwohl er für mich der große Fachmann war, begegnete er mir auf Augenhöhe.
Ich fühlte mich gesehen, nicht bewertet, nicht geprüft.
Sondern ernst genommen.
In diesem Gespräch habe ich verstanden, was Ermutigung wirklich bedeutet.
Sie zeigt sich nicht nur in dem, was wir sagen.
Sondern vor allem darin, wie wir anderen Menschen begegnen.

Begegnungen, die Spuren hinterlassen
Theo hatte einen tiefen Wunsch:
Mehr Frieden in die Welt zu bringen. Nicht durch große Worte.
Sondern indem Menschen lernen, sich selbst und anderen mit einer positiven inneren Haltung zu begegnen.
Er freute sich über jeden Menschen, der diesen Gedanken weitertragen wollte.
Dieses Gespräch hat mich tief berührt.
Ein Jahr später fuhr ich zum ersten Mal nach Zwartsluis in den Niederlanden und nahm an einem Inspirationstag von Theo und seiner Frau Julitta teil.
Ein- bis zweimal im Jahr trafen sich dort Encouraging Trainerinnen sowie Menschen, die sich für Individualpsychologie, Persönlichkeitsentwicklung und Ermutigung interessierten. Jedes Mal fuhr ich mit einem Kopf voller Ideen und einem Herzen voller Begeisterung nach Hause. Es fühlte sich an wie eine große Portion Rückenwind.
Gemeinsam mehr bewegen
2018 entstand gemeinsam mit Theo und einem kleinen Team engagierter TrainerInnen die Idee regelmäßiger TrainerInnen Meetings. Ein Wochenende im Jahr, Zeit für Austausch, Zeit für Reflexion und Zeit für neue Ideen. Wir beschäftigten uns mit unterschiedlichen Fragen:
- Wie können wir das Encouraging Training bekannter machen?
- Wie erreichen wir unterschiedliche Zielgruppen?
- Wie können wir Menschen für eine positive innere Haltung begeistern?
- und natürlich mit unserem persönlichen Wachstum!
Aus diesen Treffen entstanden viele Projekte. 2019 produzierten wir gemeinsam einen professionellen Film über das Encouraging Training. Du findest ihn HIER auf der Website. Es folgten die Überarbeitung der gemeinsamen TrainerInnen Website, ein Wikipedia-Eintrag, neue Materialien und viele weitere Ideen, fast ausschließlich getragen von ehrenamtlichem Engagement, Spenden und der Überzeugung, dass Ermutigung unsere Gesellschaft bereichern kann. Für mich ist genau das bis heute etwas ganz Besonderes. Mit der Ausbildung wirst du nicht nur Encouraging Trainerin.
Du wirst Teil einer Gemeinschaft.
Einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und gemeinsam daran arbeitet, Ermutigung in Unternehmen, Familien, Schulen, sozialen Einrichtungen und viele weitere Lebensbereiche zu tragen.
Auch nach Theos Tod treffen wir uns jedes Jahr, Ende Juni, an einem anderen Teil von Deutschland.
Zusätzlich treffen wir uns regelmäßig online, entwickeln neue Ideen und unterstützen uns gegenseitig.
Immer mit derselben Überzeugung:
Es passiert etwas Besonderes, wenn Menschen ihre Fähigkeiten nicht für sich behalten, sondern gemeinsam für eine gute Sache einsetzen.
Der nächste Schritt
Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, wohin mich dieser Weg noch führen würde.
Denn irgendwann kam für mich die Frage auf, ob ich selbst die Ausbildung zur Encouraging Trainerin durchführen darf.
Wie es dazu kam und warum ich heute selbst Menschen auf diesem Weg begleiten darf, erzähle ich im nächsten und vorerst letzten Teil meiner Geschichte.
